977 Euro würde das Interrail Ticket, das ich in meinem Rucksack habe, kosten, würde ich es kaufen wollen. "In der 1. Klasse verfügen die Abteile über mehr Platz, bequemere Sitze und gelegentlich Zusatzleistungen wie Getränke, Steckdosen und Zeitungen", ist in den Infos auf der dazugehörigen Internetseite (
http://deutsch.interrailnet.com/) zu lesen.
Nach unseren Erfahrungen rentiert sich das keinenfalls, besonders nicht, wenn man in Deutschland wohnhaft ist, und somit die DB nicht in Anspruch nehmen darf. In Südeuropa nämlich sind alle Schnellzüge
Reservierungspflichtig. Die Gebühr, die von den Bahngesellschaften für die Reservierung erhoben wird, beträgt dabei meist um die 10 Euro, in der Spitze bis zu 23 Euro. Wenn eine längere Fahrt angetreten wird, bei der auch umgestiegen werden muss, zahlt man für den neuen Zug eine weitere Gebühr. Ein ziemlicher Kostenpunkt also: So hätten Anahita und ich für die Fahrt von Porto nach Florenz über hundert Euro allein für die Reservieung und auf Grund der mehrtägigen Fahrt un weitere Kosten für die Übernachtungen zahlen müssen.
Zum Vergleich: In Deutschland gibt es für keinen Zug, ausgenommen ICE Sprinter und internationale Nachtzüge, keine Reservierungspflicht. Hat man eine Fahrkarte erworben, darf man auch mit dem dazugehörigen Zug fahren. Für mich ein logisches Prinzip.
Desweiteren erhebt die DB für die Reservieung eines Sitplatzes, falls sie gewünscht wird, nur eine administrative Gebühr von 3,50 Euro.
Wenn man viel Geld hat, oder einem der besondere Komfort viel Wert ist, könnte einem das alles egal sein. Nicht aber, dass es in den meisten anderen südeuropäischen Zügen, dem Nahverkehr und den Regionalzügen, sowie bei Liegestühlen in Nachtzügen, überhaupt keine 1. Klasse gibt.
Weil es in Spanien, Portugal und Italien also eine Reservierungspflicht gibt und weil wir von Porto nach Florenz sowieso an die 40 Stunden mit der Bahn gebraucht hätten, haben wir uns für einen Flug von Porto nach Bologna entschieden. Wie es uns während unseres ersten Aufenthalts in Italien ergangen ist haben wir in unserem Blog bereits schon berichtet (Artikel: Von persischer Gastfreundschaft, italienischen Delikatssen & deutschem Wiedersehen).
In unsrer dritten Reisewoche, in den ersten Juni Tagen, haben wir uns von Florenz ins Land der Ballsportler aufgemacht.
Kroatien, ein Land mit nicht viel mehr Einwohnern als Berlin, hat weltklasse Athleten im Tennis (Marin Cilic, Ivo Karlovic), Handball (Ivano Balic), Basketball (Toni Kokoc, Drazan Petrovic) und wie zur Zeit nicht zu übersehen ist, auch im Fußball (Ivica Olic, Davor Suker, Ivan Klasnic, Mladen Petric). Dabei profitieren die Kroaten nicht wie die Deutschen von Imigration, was an den Namen der Spieler unschwer zu erkennen ist.
Von Florenz also, gings mit dem
Nachtzug nach Triest. Eine sagenhafte Fahrt. Finstere Gestalten begegneten uns bereits um 1 Uhr nachts auf dem Bahngleis, genau wie das Sicherheitspersonal, das unsere Tickets und damit die Berechtigung zur Anwesenheit auf dem Gleis schon vor Zugeinfaht überprüfte. Aus dem Zug stiegen nach Einfahrt dann zuerst zwei Beamten der Carabinieri, der Militärpolizei. Diese ist in Italien, wie uns Payam und Donatella (unsere Gastgeberin während des 2. Italienaufenthalts) erklärten, nicht nur für das Militär zuständig, wie bei uns die Feldjäger, sondern nimmt auch andere Aufgaben der Öffentlichen Ordnung und Gefahren Abwehr wahr- Das führt immer wieder zu Streitigkeiten zwischen den verschiedenen Polizeien. Die beiden Beamten steuerten sofort auf die zuvor genannten "finsteren" Gestalten zu, um ebenfalls deren Tickets zu kontrollieren.
Wir stiegen in den Zug ein und wurden von beißendem Urin Gestank und einem komplett überfülltem Abteil empfangen. Für den Intercity Notte, der Italien vom Süden her jede Nacht durchquert, ist nur ein Wagen mit Sitzplätzen vorgesehen, was, wie wir später erfuhren, jede Nacht zum gleichen Ergebnis führt: Der Wagen ist überfüllt, die Fahrgäste stehen sich die Nacht hindurch die Füße platt.
Nachdem die Carabinieri diesen Wagen in Richtung Liegewagen verlassen und die Zwischentür abgeschlossen! hatte machten wir es uns neben der Toilette bequem und versuchten mit Kartenspielen die unangenehme Situation zu überbrücken. Der Geruch, kein Sitzplatz, die Müdigkeit und eingesperrt in einen Waggon, voll mit zwielichtiger Gestalten.
Der Zug hält auf seiner Strecke zich mal, und jedes mal beginnt die Völkerwanderung von vorne: Raucher raus aufs Gleis, Kippe an, wieder rein und ausatmen.
Immerhin: In einem Reisebericht eines anderen Interrailreisenden lesen wir von einer ähnlichen Odysee, allerdings durch den Balkan, Richtung Griechenland. Eine viel längere Fahrt und in diesem Fall war die Toilette übergelaufen und das Brackwasser stand im Flur.
Während dem Krieg ist das wenig vorhandene Schienennetz des Balkans weiter dezimiert worden. Verbindungen mit dem Zug nach Kroatien sind somit rar und von Italien nach Istrien nur in der Hochsaison vorhanden.
Wir fahren also von Triest nach Porec mit dem Bus wo uns Petty, eine Freundin von Anahita aus Bonner Studentenzeiten, abholt und nach Kastelir Labinci bringt. Hier wohnt sie in einem unglaublich schönem Haus und zusammen mit ihrem Freund Goran beherbergen die beiden uns hier.
Endlich können wir im Meer schwimmen, endlich dürfen wir Pizza essen, nachdem uns unsere Feunde in Itailen von der dortigen Pizza abgeraten hatten. Istrien ist ein wunderbarer Ort um Urlaub zu machen, gerade zu dieser Jahreszeit. Warm ist es, ohne dass es dabei drückend ist, es gibt viele Wälder und große, grüne Promenaden am Meer entlang. Das Wasser ist türkisblau, Schnorschler haben ihren Spaß. Alles spricht deutsch, was nach 2 Wochen portugisischem-italo Spanglish sehr erholsam ist. Porec hat zudem eine Geschichte die älter ist, als die vieler italienischer Städte - das erzählt man sich zumindest am wunderschönen Steinstrand.
Um die Strecke von Kastilir Labinci nach Porec zurückzulegen, fahren wir entweder mit Petty ("ach ja, in Detuschland halten sich ja alle an die (Geschwingikeits-) Regeln") zur Arbeit, oder wir Trampen.
So das war jetzt genug.
Kroatien war wirklich ein geglückter Ausflug.