Mittwoch, 30. Mai 2012

Von persicher Gastfreundschaft, italienischen Delikatessen & deutschem Wiedersehen


Sonntag, 27.05. 2012 18:10 Uhr Ankunft in Firenze Hauptbahnhof. Wir schlendern nichts wissend gemuetlich zur Buslinie 17 und warten brav in der Schlange zum Einsteigen. Der Bus oeffnet die Tueren und ploetzlich stuermen aus dem Nichts tausend kleine italienische Omis und boxen Dich mitsamt Jeden und Alles was um Dich herum steht weg, quetschen sich in die den voellig ueberfuellten Bus hinein und lassen dann ihre Tickets von Dir entwerten. Ich bin offiziell als neue Ticketmasterin fuer die ataf (italienische Busgesellschaft) eingestellt. Wie gut der Job ist, fragt Ihr Euch? Man kommt viel rum, hoert viele italienische Anekdoten, aber die Bezahlung ist nicht all zu gut. Ueberlege daher auch zu kuendigen.
Endlich dann angekommen an der Station San Gervasio, erwartet uns ein braungebrannt-froehlicher Payam. (Als erstes wurde ich vom angehendem Doktor belehrt, wie ich meinen Rucksack richtig zu tragen haette. Typisch, man nennt die Studenten des European University Institute auch professionelle Klugscheisser.)

Der Frauenschwarm
Zuhause in der schoenen gutgeraeumigen Wohnung, man mag meinen es sei eine Villa so gross und mit wie vielen Terassen sie ausgeschmueckt ist, erwartete uns ein sehr leckeres Lubiapolo (persisches Gericht: Reis mit Bohnen). Koestlich, wir hatten seit Wochen nicht mehr so Gut gegessen. Anschliessend bekamen wir eine Fuehrung durch das Viertel inklusive einem Becher traumhaftes italienisches Eis. Als sei das nicht schon genug ueberliess uns Payam auch noch sein Bett zum uebernachten!
Am Montag haben wir erstmal die Stadt Firenze erkundet und einiges ueber die florentische Lebensweise erfahren: Hauptsache Gucci Brille, Armani Uhr & Louis Vuitton Tasche, aber ein leeres Portemonnaei und kein Geld fuers Essen. Naja, wobei das mit dem Essen stimmt nicht ganz, gegessen wird viel und das sehr Delikat!


In der Stadt trafen wir Cora, eine Freundin von Petty (die wir uebringens schon hoffentlich morgen in Kroatien sehen). Mitten auf der Strasse unter einem Tumult von Menschen haben wir uns erkannt. Schon witzig da reist mehrere tausend Kilometer von der Heimat weg und trifft Bekannte aus Deutschland!
Abends haben wir uns von Payams Mitbewohner Raphael eine leckere Spaghettisosse servieren lassen. Noch viel leckerer fande ich, den kleinen Tunkteller, der war vorher eingerieben mit Knoblauch und dann gefuellt mit Olivenoel und Balsamicoessig...hummmy sehr empfehlenswert! Nach dem gemuetlichen Abendessen sind wir auf die Abschiedsparty von Matschek gegangen. Ein lustiger, sehr zuvorkommender und sympathischer Lebemann. Er studiert mit Payam und geht jetzt fuer ein Jahr nach New York. Kaum an der Wohnungstuer angekommen, wurden wir feucht froehlich begruesst, mit der Ansage, ob wir nicht eine aufblasbare Matratze geschenkt haben wollen. (Da er nicht "soviel"  mitnehmen kann, wurden u.a. folgende Dinge verschenkt: die Kaffeemaschine, die Musikanlage, jede Menge Leckereien und die beruechtigte Matratze.)
Die Matratze lehnten wir dankend ab, aber beim Naschen hielten wir uns nicht ganz so zurueck.
Wir haben viele interessante sympathische Persoenlichkeiten kennengelernt.  Payams Clique ist eine internationale, weltoffene, viel bereiste gemischte Truppe. Es war ein sehr amuesanter und schoener Abend, wir hatten riesen Spass und haben einiges ueber die serbische, polnische, portugiesische, mazedonische und italiensche Kultur erfahren!

Rebecca, Payam, Jonathan, Bosko, Tiago, Anna, Trajche, Milena

Luisa & Anna
Gestern haben wir in einem von Payam empfohlenen kleinen gemuetlichen Lokal direkt in der Innenstadt von Florenz, mit Betuel (einer Freundin von Payam) dinniert. Und anschliessend gab es zum Umfallen traumhaft leckeres Eis und das unmittelbar am Arno (der Fluss, der durch Florenz fliesst und auf dem Payam uebrigens sich am Rudern ausprobiert). Es war Spitze!

Im Il Contadino
Jonathan, Anna, Payam, Betül
Payam & Betül
Ja und heute, heute sind wir mit Payam zur Uni gegangen. Das Institut liegt auf dem Berg von Fiesole. Wir haben in der wohl hoechst gourmethaftesten Mensa der Welt zu Mittag gespeist. Und das auf der Terasse mit einer faszinierenden Aussicht auf die Stadt. (Ach ja, und als sei die Begegnung mit Cora nicht schon aufregend genug, da treffe ich Per. Ein Stammgast von Petty und mir aus unserem Cafe Orange in Bonn.)

Betül, Anna, Per
Der Ausblick von hieraus ist wunderschoen und die schoenen Gaerten die hier sind erst! Der pure Wahnsinn, nur schade, es scheint, als ob die Studenten die idyllische Gegend kaum aufnehmen. Zumindest waren wir die einzigen Besucher der romantischen Gaerten und der faszinierenden Aussichtsplattformen. Wo doch nicht alles unsere Steuergelder hinfliessen!
War ein sehr schoener Abschluss von Florenz, wir haben gesehen wo Payam studiert und nochmal seine Freunde getroffen und die schoene Landschaft Italiens genossen. Bella Italia e la dolce Vita!

Firenze - Arno
(Anna)







Sonntag, 27. Mai 2012

Meine Meinung zu den Landtagswahlen in NRW

Die Grünen in NRW sind sehr zufrieden mit dem Wahlerbebnis. Stabile rot-grüne Mehrheit, Primärziel erreicht, Dank an die Wählerinnen und Wähler usw.

Ich bin nicht zufrieden.

Die Grünen haben gegenüber 2010 leicht verloren, 0,8%, sie haben die Beteiligung an der Regierung nicht nutzen können, um sich zu verbessern, sie stellen für einen Großteil der Wähler keine echte Alternative dar. Das finde ich insgesamt enttäuschend.

Der Grund:
Die Grünen stehen für Nachhaltigkeit. Dieses Prinzip haben sie mißachtet, weil sie die Verschuldung des Landes ungebrochen weiter vorangetrieben und mitgetragen haben.

Man möge bitte bedenken, dass Geld nur dann Wert hat, wenn es durch entsprechende Werte in der Realität gedeckt ist. Der Geldmenge muß die entsprechende Menge an realen Produkten und Dienstleistungen gegen über stehen, dann ist die Währung stabil. Sonst hat man Monopoly-Geld.

Und wenn man Jahr für Jahr mehr ausgibt als man einnimmt, dann nimmt man Werte, Produkte, Dienstleistungen in Anspruch, die einem nicht gehören. Man lebt auf Kosten der Zukunft, man verschuldet sich. Das paßt zum Spruch "Wir haben die Erde von unseren Kindern nur geborgt", der Gründungsparole der Grünen, wie die Faust aufs Auge.

Und damit verlieren die Grünen das wichtigste, was Politiker haben: Glaubwürdigkeit. Deswegen kommen die NRW-Grünen nicht voran, sondern stagnieren.

Mehr gibt es im Kern dazu nicht zu sagen. Der Rest ist jetzt Ausschmückung.




Die aktuellen Umfragen in Baden-Württemberg¸ die die Grünen bei 28% sehen, zeigen, was grundsätzlich möglich ist.
Das Thema, das die Wähler in NRW am wichtigsten fanden, war das Thema Haushalt und Finanzen.

Die CDU hat dieses Thema zu ihrem Schwerpunkt im Wahlkampf gemacht. Sie hat aber selber keine einzigen konkreten Vorschlag gemacht, wie man von der Verschuldung herunter kommen könnte.

Und die CDU auf Bundesebene hat selber die Neuverschuldung voran getrieben und hat damit jede Glaubwürdigkeit auf diesem Gebiet verspielt. 

Das hat vele Wähler des bürgerlichen Lagers zur FDP getrieben, die von der CDU und insbesondere auch von Röttgen enttäuscht waren. Immerhin hat die FDP den Haushalt des Landes platzen lassen, weil ihr die Einsparungen nicht weit genug gingen. Lindner ist es gelungen, diesen Vorgang als konsequentes, charakterfestes Verhalten der FDP zu verkaufen. Das ist ihm offensichtlich gut gelungen.
Die Stärke der SPD war die Schwäche der CDU und die Beißhemmung der Grünen. Neben einem halbherzigen, von der eigenen Basis nicht getragenem Röttgen, der einen Fehler nach dem anderen machte (keine Bereitschaft sich in jedem Fall 100% für NRW einzusetzen, Kadidatur in einem aussichtsloser Wahlkreis, Streichung der Sparvorschläge der CDU-Landtagsfraktion, Versuch Merkel mit ins untergehende Boot zu ziehen), konnte Hannelore Kraft leicht als besorgte Landesmutter glänzen mit NRW im Herzen und Ketchup im Blut.

Die SPD mußte sich nicht wirklich mit unangenehmen Fragen auseinander setzen. Z.B, wie es funktionieren soll, "kein Kind zurück zu lassen", wenn noch 100.000 Betreuungsplätze für Kinder unter 3 Jahren fehlen.  Oder was passieren wird, wenn die Zinsen steigen, die gegenwärtig auf einem historischem Tiefstand sind. Oder was die SPD plant, wenn die Konjunktur schwächelt und die Steuereinnahmen nicht mehr so sprudeln wie in den letzten 3 Jahren. Oder wie sie mit den Pensionslasten umgehen wollen, die immer mehr den Haushalt belasten werden.

Bereits heute machen die festen Verpflichtungen (Personalkosten und Ausgaben für Soziales) und die Altlasten (Zinszahlungen, Schuldendienst, Pensionszahlungen an Beamte) 65% des Landeshaushalts aus. Da bleibt nicht viel Spielraum für die Politik.

Alles legitime und notwendige Fragen, wenn man sich mit Landespolitik in der Zukunft befaßt. Sie haben keine Rolle gespielt in diesem Wahlkampf, weil die CDU schwächelte und die Grünen dies alles nicht thematisiert haben und die SPD nicht gestellt haben auf diesem Gebiet.

Den Grünen ist es dann bei zunehmender Personalisierung des Wahlkampfes - Kraft oder Röttgen - nicht gelungen, sich zu profilieren. Sie haben solide gearbeitet, sich keine Skandale geleistet und waren Motor und treibende Kraft der Regierung. Deshalb konnten sie ihren Stimmenanteil in etwa halten, haben aber nicht dazugewonnen, obwohl die Umfragen ja zunächst sehr gut aussahen.

Eine überzeugende Botschaft aber, warum man sie wählen sollte, haben sie nicht gehabt. Das Thema Atomkraft ist durch, der Schulkompromiß war gestern und für eine wirkliche finanzielle Entlastung der Kommunen fehlt das Geld.

Wenn ich das Thema vorgebracht habe, wurde mir immer entgegnet, dass a) die anderen auch alle Schulden machen würden (was nicht stimmt, keineswegs alle, weder alle Bundesländer, noch alle Kommunen und auch nicht alle Staaten innerhalb der EU)
und b) man eben die Einnahmen erhöhen müßte.

Da fällt dann immer das Stichwort Transaktionssteuer, das heißt die Besteuerung beim Kauf von Aktien und anderen Transaktionen an der Börse.

Selbst wenn sie kommen sollte, bringt sie etwa 20 Milliarden Euro jährlich bundesweit ein. Der Staat hat aber Schulden von 1,5 Billionen Euro, also 1500 Milliarden. Jeder mag sich selber ausrechnen, wie lange man diese Steuer kassieren müßte, um unseren Schuldenberg abzutragen, ich komme auf 75 Jahre.

Vorausgesetzt, diese Einnahmen würden tatsächlich zur Schuldentilgung verwendet werden. Tatsächlich wird es aber 100 gute Zwecke geben, für die dieses Geld ausgegeben werden könnte: Bildung, Schulen, Umweltschutz, Verteidigungsausgaben (wenn die internationalen Konflikte zunehmen), Energiewende ...


Ich möchte an dieser Stelle daran erinnern, dass sich die Grünen in ihrem Grundsatzprogramm für einen schlanken Staat ausgesprochen haben, also nur soviel Staat wie nötig haben wollen und stattdessen für die Zivilgesellschaft, für die Bürgergesellschaft eintreten. Das heißt, dass das, was die Gesellschaft selber regeln und organisieren kann, auch von der Gesellschaft, von den Bürgern selber erledigt werden soll und nicht vom Staat. Dies ist grüner Grundsatz! Man kann auch sagen, das ist eine Form der Basisdemokratie.

Das war für mich ein entscheidender Grund, warum ich bei den Grünen eingetreten bin.
Wir wollen keinen allmächtigen Staat, der alles regelt von der Wiege bis zur Bahre, wir wollen keine Beamte und Funktionäre, die uns auf Schritt und Tritt sagen, was wir tun dürfen und was nicht.

Das ist ein fundamentale Unterschied zur Staatsgläubigkeit der SPD, die in der umfassenden staatlichen  Fürsorge, aber eben auch Kontrolle, das Heil sieht.

Das Problem dabei ist, dass die Politiker, die die Entscheidung über die Verteilung und Verwendung der öffentlichen Gelder haben, in der Regel nur bis zur nächsten Wahl und bis zu ihrer eigenen Wiederwahl denken. Die langfristigen Probleme und die internationalen Verpflichtungen und Aufgaben, die über eine Legislaturperiode hinaus gehen, fallen dabei durch den Rost.

Kurz gesagt, und damit möchte ich hier aufhören: Die Gesellschaft, die Bürger, Vereine, Organisationen, auch die Unternehmen müssen die langfristigen Aufgaben, die für das Funktionieren unserer Gesellschaft nötig sind, selber in die Hand nehmen. Die Politik in Form der heutigen Parteiendemokratie ist hier überfordert und, ich glaube man muß es so hart sagen, am Ende.
(Stefan)

Freitag, 25. Mai 2012

Portugal

Europas Schande bist du nicht.

Alles neu, total modern und dabei schoen. Die Buerogebaeude die wir am fruehen Morgen sehen konnten waren so gar nicht das was ich mir von Portugal vorgestellt hatte. Sie waren so ziemlich das erste was ich bewusst wahrnahm, nachdem ich im Nachtzug nach Lissabon erwachte. Das war vor der Einfahrt in den ersten, bekannteren Bahnhof der Stadt: Lisboa Oriente.
Endstation war dann Lisboa Santa Apolonia. Hier und auf der Fahrt zu unseren Couchsurfing Hosts, bot sich ein anderer Blick auf die Stadt und das Land. Da die Metro erst ab 11 Uhr faehrt mussten wir uns mit Bussen zu unserer abgelgene Unterkunft durchschlagen.

Wir finden die richtigen Busse erst nicht; wir stehen mit unseren riesigen Rucksaecken im Bus, der, dank Berufsverkehr, komplett ueberfuellt ist; wir zahlen uns Dumm und Daemlich, weil wir umsteigen muessen und auch die Ticketschalter noch nicht aufhaben an denen wir Tageskarten holen koennten.

Wir fahren die meiste Zeit am Meer entlang; wir sind fasziniert von der Sprache (klingt nach einer Mischung aus Ostblocksprachen, Spanisch und Niederlaendisch) und dem nicht zu zuornendem Aussehen der Leute; wir sehen riesige Bruecken, einen (wie wir spaeter erfahren, den einzigen und letzten und selten gesehenen) Polizisten der den Verkehr lenkt, ueberall Mosaik an den Haeusern und eine Stadt die auf der anderen Seite des Meeres weiterzugehen scheint.

Die Strasse die wir finden wollen existiert scheinbar nicht, aber unser Host Eduardo eilt nach einem kurzen Telefonat extra von der Arbeit herbei und bringt uns mit seinem Auto in seine Wohnung. Spartanisch und rustikal. Es stinkt und ist dreckig und es kommt uns portugiesisch vor, dass Eduardo uns ueberhaupt aufnehmen will. Warum macht ueberhaupt jemand ?als Host bei Couchsurfing mit?

Lissabon ist ein Traum. Wunderschoen. I Love. J`adore Lisboa.

Oxford hat einige von diesen kleinen Gassen und viele altehrwuerdige Gebaeude.
London und Paris faszinieren allein durch die Groesse und das scheinbare Chaos.
New York strahlt, genau wie seine Bruecken.
Barcelona liegt am Meer und hat dieses Flair.
Mailand hat seine alte Tramm.

Jetzt schaut euch mal diese Bilder an:

(Jonathan)

Lissabon Jonathan, Eduardo, Anna, Oscar




Der letzte Verkehrspolizist


Im Cafe in Malaga


Lissabon - Strassenbahn mit Trittbrettfahrer

Malaga



Malaga



Sintra



Lissabon



Lissabon









Mittwoch, 23. Mai 2012

Positiver Platzsturm

Auch wenn die Fotos aus Portugal ablenken, das wahre Leben, das schlechte Wetter, die Niederungen des Fußballs (Randale! Aktion! Platzbesetzung!) wie Abstieg und Aufstieg spielen sich hier ab! Ich bin nicht neidisch, nein, nein, ich will nicht neidisch sein!!!

Also, ich habe jetzt die Frankfurter Allgemeine Zeitung abonniert, nach Jahren der Süddeutschen. Und sie hat schon Artikel, die gibt es woanders nicht. Z.B. eine volle Seite über die Veränderung der Arbeitswelt durch die Computerisierung vom Vorsitzenden des Chaos Computer Clubs. Große Klasse, gut geschrieben der Artikel, unbedingt lesenswert: "Bald wird alles anders sein", FAZ vom 18.5.2012.

Oder heute die WDR-Moderatorin Sonia Seymour Mikich, die mit schlaffen Venen ins Krankenhaus geht und mit künstlichem Darmausgang wieder raus kommt, allerdings nur vorläufig. "Enteignet", vom 23.5.2012. Da kann ich mitreden, Stoma, anus praeter und so.

Oder eben auch die Berichterstattung über die Fußballrandale. Wie die Aasgeier stürzen sich die Medien über die geilen Bilder, die ihnen der Fußball liefert. Mittlerweile meint ja jeder, und, was es auch nicht besser macht, jede, über Fußball mitreden zu müssen. Und dann fallen sie gemeinschaftlich über die Fans her, die überhaupt erst für Stimmung und Fankultur sorgen. Undifferenziert, hämisch, geifernd. Ich meine, wer nicht selber ins Stadion geht und die Situationen vor Ort miterlebt, sollte den Mund halten und von seinem Sofa aus einfach ein anderes Programm einschalten.





Fakt ist, dass in Düsseldorf nix schlimmes passiert ist. Ok, die Fans haben vorzeitig den Platz gestürmt, weil sie 2 Minuten vor Schluß dachten, der Schiedsrichter hätte abgepfiffen. Und da haben sie gedacht, sie wären nach 15 Jahren wieder aufgestiegen und sind auf den Platz gerannt. Viel mehr ist nicht passiert, keine Verletzten, keine Randale. Wer dafür nicht etwas Verständnis hat, sollte die Sportart wechseln.

Bemerkenswert war, dass der Richter beim DFB-Schiedsgericht sich von der allgemeinen Medien-Hysterie nicht hat irre machen lassen. Er hat gesagt (und das habe ich eben nur in der FAZ gelesen, die in solchen Dingen sehr genau ist), dass die Fans "ein übermütiges Aufstiegsgefühl ausleben wollten" und es einen "positiv besetzten Platzsturm" gegeben habe. Er hat den Einspruch von Hertha BSC abgelehnt und das Spiel für gültig erklärt.

Finde ich gut, obwohl ich die Platzstürmung und Feuerwerkskörper im Stadion überhaupt nicht gut finde. Aber so rennen die Fans halt auf den Platz (so auch bei Aachen gegen Frankfurt), springen 30 Minuten herum und dann trollen sie sich.

Das ist doch etwas ganz anderes als wenn "Fans" des FC Köln Autos und Busse von Mönchengladbacher Fans überfallen und demolieren, prügeln und schlagen. Oder wenn einem Spieler von Leverkusen in einer Kölner Disco von "Fans" die Nase gebrochen wird. Das sind kriminelle Handlungen, die auch als solche behandelt werden müssen.

Also genau hinschauen, nicht alles was nach Gewaltorgie aussieht, ist auch eine. Und im Falle von Düsseldorfer Platzsturm und auch in Aachen hat sich die Polizei flexibel und klug verhalten und dafür gesorgt, dass die Situation nicht eskaliert. Das ist nicht selbstverständlich und längst nicht immer so.

(Stefan)


Nachtrag (im Eintracht-Blog gefunden):


Bayern Ultras randalieren nach Niederlage im Champions-League-Finale




Und noch ein (seriöser) Nachtrag, der mir aus der Seele spricht:
http://www.eintracht.de/meine_eintracht/forum/1/11190341


Dienstag, 22. Mai 2012

Fotos, Fotos, Fotos


Lissabon - Mit Blick auf die Stadt


 Málaga - Altstadt


Málaga - Am Hafen


Málaga - Basketball spielen vor Ninas Apartment

Freitag, 18. Mai 2012

Viva baloncesto español...und mein grosser Schokibaer

Ja so ist das mit dem Schokibaer, da will man ihn um 12 Uhr mit einem schoenen Kuchen und Kerzchen ueberraschen, und was macht er? Jonathan hat just heute riesen hunger auf Schokolade und kauft sich zwei dicke Kuchen im Corte ingles, na Klasse!
Aber ich waer ja nicht eine kluge Frau, wenn ich nicht meinen Schokibaer kennen wuerde. Plan B...2 Karten fuer die spanischen Playoffs, Valencia - Lagun. Ich denke das ist ganz gut gelungen. Wir in oranger Vollmontur & guter Laune und es hat sich auch noch ausgezahlt die Jungs von Valencia haben gewonnen & die orangen Fans die Halle gerockt! Ich sag Euch, die Fussballfans bei uns in Deutschland machen im Stadion Stimmung, aber die Basketball-Fans von Valencia lassen die Stadt beben!
So genung vom baloncesto español & dem Schokibaer, jetzt geht es los Richtung Málaga zu Nina...






Mittwoch, 16. Mai 2012

First Stop Valencia

In 32h nach Valencia. Mit langsamen Zuegen ueber Aachen, Luttich, uva, . in 10h nach Paris. Wir steigen in Bahnhoefen um an denen sonst keine Menschenseele zu sehen ist.
In Paris haben wir bei guten Freunden von Annas Eltern schlafen koennen. Typische Pariser Wohnung.Winzig, aber sehr suess eingerichtet. Wir kommen an und schlafen 10min spaeter auf der Ausklappcouch im Wohn-/Esszimmer. Morgens gab es typisch persischen Tee und einen Blick in den Buchladen unserer Gastgeber.
Dann mit TGV 1.Klasse bis ueber die spanische Grenze (Les Figueres), 1000 Km in einem Zug, Abfahrt 7 Uhr, Ankunft halb 1. Vom Sitzplatz aus sehen wir gleichzeitig das Meer und Berge mit Puderzucker.
Ankunft in Les Figueres, dann in Barcelona. Nach vielen Tunnel endlich Valencia!

Nach einem ersten Spurt durch die Stadt sitzen wir jetzt in einem Hostel indem es leider keinen Schlafplatz mehr fuer uns gibt, dafuer aber Internet und wir koennen am Blog weiter schreiben. Anna hat gerade die Fotos hochgeladen und studiert jetzt die Karte.

Valencia ist.. gibt viele superlative, bisher ists einfach Klasse (Gruss an Pay und Mac) hier.


 Merci beaucoup pour votre hospitalité 
 

Sonntag, 13. Mai 2012

Die Route - erster Teil


Interrail Tour auf einer größeren Karte anzeigen

Noch zwei Mal schlafen, dann geht´s los! Hier seht Ihr den ersten Teil unserer Route. Klickt auf die Eisbahnen & Ihr seht in welcher Stadt wir sind & was wir dort erleben wollen. Wir freuen uns sehr über Tips & Insider zu den Städten oder Vorschläge, wo wir auf unserer Route unbedingt einen weiteren Halt einlegen sollten. Ahhh, ich bin so aufgeregt...
(Anna)

Mittwoch, 9. Mai 2012

Vorstellung - wer wir sind

Nun, es ist ein Experiment. Mein Sohn Jonathan, 23, seine Freundin Anna, 26, und ich, 60, saßen zusammen als Jonathan und Anna erzählten, dass sie eine Europareise mit Interrail machen wollen, worauf ich ihnen vorschlug, darüber in einem Blog zu berichten. Und da ich auch wieder ein Online-Tagebuch führen wollte, kamen wir schnell überein, ein gemeinsames Tagebuch zu führen. Es ist doch interessant, von Menschen zu lesen, die man gerne hat und mitzubekommen, was sie erleben. Frau Lehmann, meine Freundin, schloß sich an, wobei sie Bedenken hat, ob Aktivitäten im Internet von böswilligen Schülern gegen sie verwendet werden können. Sie ist Lehrerin an einer Gesamtschule in Nordrhein-Westfalen und erlebt da so einiges, über das sie berichten wird. Ich finde es immer spannend, wenn sie erzählt, wie unsere Jugend tickt.

Anna und Jonathan


Und das bin ich, Stefan

Dienstag, 8. Mai 2012

Karlsruher Sport Club

Wie war es denn so in Karlsruhe?


Ich hatte zu meinem letzten Geburtstag im Oktober eine Eintrittskarte für das letzte Spiel der 2. Bundeslige Karlsruher SC - Eintracht Frankfurt geschenkt bekommen, also am Sonntag, 6.5.2012. Und so sind Jürgen, Ralf, Michael und ich zum Spiel gegangen.


Ich finde es immer wieder ein Erlebnis an sich, der Anmarsch (1 Stunde zu Fuß), die Atmosphäre, die Farben, die sich langsam, je näher man dem Stadion kommt, verdichtenden Menschenmassen, die Diskussionen um und über den Fußball, die Erinnerungen an vergangene Spiele und wie man selber noch gekickt hat, die Gesänge, die Sprechchöre, das aufgebrachte Geschrei einzelner Besucher (Tempo! Gelbe Karte! Vom Platz, aber sofort!), das Geraune, das als Ausdruck kollektiven Empfindens durch das Stadion geht ....


Deshalb war auch dieses Spiel ein Erlebnis. Für den KSC ging es um Abstieg, für die Eintracht um die Ehre. Nun, ein gutes Pferd springt so hoch wie es muß. Daran hat sich die Eintracht gehalten. Nach dem Aufstieg in die 1. Liga fest stand, haben sie es sehr, sehr ruhig angehen lassen, gerade soviel, dass man nicht von Arbeitsverweigerung sprechen konnte. Also ein ziemlicher Grottenkick.


Aber die Pyro-Choreographie der Eintracht-Fans hat schon etwas Angst machendes und hat doch auch etwas Grandioses. Uuuiiiii!! Sie brannten Bengalos ab und hüllten einen Teil des Stadions in schwarze Rauchwolken. Und die Polizei lieferte am Ende des Spiels eine prachtvolle Parade ab, wie ich sie beim Fußball noch nie gesehen habe. Einschließlich Pferdeshow. War ein bisschen dick aufgetragen.




Aufstieg ins Wildparkstadion bei bestem Maiwetter


Warmmachen


Das Badnerlied wird gesungen, das Stadion singt mit, die Schals und Transparente geschwenkt






Der Eintracht-Block




Angeblich waren 1800 Polizisten im Einsatz, plus 800 Ordner




Auch für's Auge wurde etwas geboten


Ralf, Jürgen und ich. Michael hat das Foto gemacht. Schön war's!


(Stefan)

Montag, 7. Mai 2012

Wahlkampf

Nachdem in Schleswig-Holstein gewählt wurde, bleiben nur noch wenige Tage bis zur Wahl in NRW. Und da möchte ich die Gelegenheit nutzen, auch die auswärtigen Leser, auf die schönen Wahlplakate hinzuweisen.


Der Hit ist sicherlich das Plakat der SPD.






Ja, das muß man erst mal wirken lassen.
Es soll wohl Identifikation ausdrücken, mit dem Ruhrpott, Arbeitermilieu, den einfachen Leuten. Dabei kommt es nicht auf den Inhalt an, sondern auf die Botschaft. Insofern unterscheidet sich diese Kampagne nicht groß von den Piraten, denen man ja immer vorwirft, sie hätten keine klaren Inhalte. Und was ist das, bitteschön?


Dazu paßt das 2. Plakat der SPD.


Ich wundere mich nicht, wenn junge Menschen oder überhaupt kritische Menschen sich von den Parteien abwenden. Das ist reine Reklame, ohne politischen Inhalt oder Aussage. Die Parteien treiben mit solchen Kampagnen die Entpolitisierung voran. Wie soll man sich denn für so einen Quatsch ernsthaft begeistern oder auch nur interessieren?


Dann ein Plakat der Grünen. Es zeigt die Spitzenkandidatin der Grünen und Ministerpräsidentin Kraft.


Tatsache ist, dass das Land NRW 2011 deutlich mehr Steuern eingenommen hat, als erwartet worden war: 5 Milliarden. TROTZDEM haben sie noch 3,8 Milliarden NEUE Schulden gemacht.

Die Behauptung, das seien Investitionen, um spätere Reparaturkosten zu vermeiden, stimmt nicht: Die Hochschulgebühren machen gerade mal 250 Millionen aus, das 3. beitragsfreie Jahr im Kindergarten kostet 150 Millionen. Das sind zusammen 400 Millionen. Und die anderen 8,4 Milliarden, wofür wurden die ausgegeben? Ich finde es nicht schön, wenn diese Frauen weiter den Haushalt des Landes NRW machen und weiter Schulden anhäufen, die künftige Generationen abtragen müssen, wenn diese Damen schon lange nicht mehr sind.


Kommen wir zur FDP, die jetzt nicht mehr Steuersenkungspartei ist, sondern die Schulden senken will. Die Frage ist allerdings, warum sie damit nicht im Bund anfängt. Da könnte sie ja mal als Regierungspartei zeigen, wie das geht. Im Übrigen war sie in NRW an der Vorgängerregierung Rüttgers beteiligt, die wie ihre Vorgänger und ihre Nachfolger Jahr für Jahr neue Schulden den alten zugefügt hat. 



Auch die CDU redet von Verantwortung und Schuldenstaat, dabei macht ihr Finanzminister Schäuble auf Bundesebene 34 Milliarden neue Schulden. Es ist schon ziemlich unverfroren, dann mit solchen Plakaten aufzutauchen:




Hier zwei Schmankerl von den Linken.



Seit wann wird bei Landtagswahlen über Löhne entschieden? 






Ich will aber nicht in die Kita!


Und dann die Piraten:



Ah, ja. So genau wollten wir es gar nicht wissen!





Otto wählen - die Alternative! Oder doch besser Currywurst?

(Stefan)

Sonntag, 6. Mai 2012

By the way: I am waiting for


Aktuelle Mission: koordiniertes Warten! Mein Leben besteht momentan nur aus Warten und wenn ich eins nicht innehabe dann ist das die Tugend der Geduld. Ich warte auf einen Zuschuss vom Kulturamt, damit der nächsten Lesung nichts im Weg steht. Ich warte auf einen Volontariatsplatz bei einem Verlag, damit meiner Bildung nichts im Weg steht. (Dabei dachte ich nach 6 Jahren Studium der Ethnologie, Philosophie und der spanischen Philologie sei ich genug gebildet. Vielleicht sollte ich mich auf die Stelle von Frau Dr. Schavan bewerben. Braucht man für das Amt einen Doktortitel? Im heutigen Zeitalter ist keiner wohl besser.) Ich warte auf die Zusage für Jonathan, dass er das Polizeistudium in Köln absolvieren kann, damit unserer gemeinsamen Zukunft nichts im Weg steht. Wobei Baden-Wüttermberg seine Vorzüge hat, müssten nur meine Familie und alle meine Freunde mitziehen, dann bin ich direkt dabei. Und schließlich warte ich darauf, dass der 15. Mai endlich anrückt, damit Jonathan & ich dem Warten davon-zugfahren-können. Ich freu mich wie ne Schneekönigin auf unsere Interrail Tour durch Europa. Unser erster gemeinsamer Urlaub: gemeinsam Sonnenuntergänge sehen, gemeinsam das Rauschen des Meeres lauschen, Verstecken im Museum spielen, das Eis des anderen vernaschen und Freunde besuchen, Payam in Florenz, Petty in Pula, Nina in Málaga, das wird riesig!
Für die nächsten Tage werde ich mich ganz brav weiblich verhalten: 1. Schleunigst 5 cm größer werden. 2. 3 Kilogramm abnehmen (wobei, wenn die Sache mit dem Wachsen funktionieren sollte sich der 2. Punkt aufhebt). 3. Im Lotto gewinnen, Ciao Mailand, Shoppingtour ich eile. Psst...Jonathan darf natürlich nichts davon ahnen. Hmm, wobei er hat ja ein Händchen für´s Gewinnen: 2x Interrail 1.Klasse 1 Monat! Und Anna darf mit, JUHU!
(Anna)

Blumentopf (feat. Esther) - Warten


Donnerstag, 3. Mai 2012

Aufstieg!







Der Verein meines Herzens ist wieder da, wo er hingehört. Nach einem fürchterlichen Jahr in der 2. Liga ist die Eintracht aus Frankfurt wieder erstklassig und darf von Eurobabokal, Meister usw. träumen. Beim letzten Wiederaufstieg, ja sie ist etwas wechselhaft, die Mannschaft, hieß es noch auf einem großen Transparent im Stadion:


Zurück im glorreichen Schein
erstrahlt unsere Diva vom Main!


Jetzt wurde im Blog (blog-g.de), ein Hort der Kurzweil, der Freude und des gepflegten Sarkasmus, der das Fan-Sein in schweren Zeiten erleichtert, gedichtet. Der Kenner erkennt sofort die Anlehnung an die "Internationelen" und Bruno ist unser Sportdirektor Bruno Hübner.


"In Stadt und Land ihr Eintrachtleute
Wir sind der stärkste Kick-Verein
Köhler und Meier kehrt beiseite
Eintracht muß Deutscher Meister sein
Reinen Tisch macht endlich mit den Bayern
Heer der Eintrachtfans wach auf
Die Meisterschaft werden wir feiern
Nur mit dem Bruno geht’s hinauf
Bruno hör’ die Signale
Auf zum letzten Gefecht
Die Klasse zu erhalten
Das ist für uns zu schlecht"


 
Am Sonntag werde ich in Karlsruhe sein, da findet das letzte Spiel der Saison statt und der Aufstieg wird gefeiert!


(Stefan)

FDP, Piraten

Urban Priol in ”Neues aus der Anstalt", über die FDP. Peng, das sitzt.
 Und ein wunderschönes Lied über die Piraten.


(Stefan)













Metta World Peace


Die einzige Überlegung die uns, Anna und Jonathan, seit Wochen umtreibt ist die Frage des ersten Fluges. Pula oder Antalya. Wir haben schon ein paar Tage vor dem geplanten Europa-Interrailtripp Urlaub von unserem anstrengendem Arbeitstag (ich warte auf weitere Zulassungen zum Polizeistudium, Anna koordiniert das Warten) und wollten die Zeit nutzen um uns eine ideale Ausgangslage für den Start, die Interrailtickets gelten ab dem 15. Mai, zu verschaffen. Bedingung für den Startort ist eine billige Wohnmöglichkeit. Die wäre dank Freunden in genannten Orten zwar gegeben, aber leider leider hat Antalya keinen Bahnhof (ich glaubs immer noch nicht, aber find nichts im Internet. Weiß jemand mehr?), oder zumindest keinen der mit unserem Interrail Ticket erreichbar ist.
Diese einzige Frage die wir uns gerade jeden Tag stellen ist unser Ventil wenn es um Fragen der Reisevorbereitung geht. Nähert einer von uns sich in Gedanken den unbehaglichen Fragen nach Reiseplan, Unterkunft und sonstigen Nebensächlichkeiten bei einer 30tägigen Reise, stellt er die Frage nach dem ersten Flug und wir haben das Gefühl, als ob wir uns tatsächlich die nötigen Gedanken machen würden. Im Übrigen bin ich mir inzwischen fast sicher, das wir nicht vorher fliegen, sondern von Köln aus starten werden.
Zur Einstimmung gehts am WE übrigens mit Annas Familie nach Brügge. Bestimmt ein schöner Ausflug, der aber noch mehr Zeit, die wir zur Reiseplanung nutzen könnten, verschlingt.

In Zeiten des Internets und besonders in denen tragbarer Zugriffsmedien ist ein Planung aber auch überflüssig. Würde man jetzt in einen Zug steigen, ohne das Ziel zu kennen, lässt man sich einfach von seinem Smartphone einen Kaffee kochen und bittet den Schaffner ein Bett im Zielort zu buchen. Unvorhergesehenes ist nicht mehr vorgesehen.
Nur besitzen wir beide kein internetfähiges Mobilfunkgerät. Anna ist in der Hinsicht Romantikerin und Jonathan glücklich, dass er nach dem Basketball spielen nicht mit den dann verschwitzen Händen auf ein Touchscreen angewiesen ist um SMS zu schreiben und mag sowieso keinen Kaffee.

Das spontane Reisen ist indes doch eh das interessanteste. Planung bringt zwar Sicherheit, aber... Ach ich weiß auch nicht, den Satz hier zu vervollständigen fällt mir schwer. So ein IPhone hat schon was. Ich kann genauso Spontan mit dem Ding sein und weiß dafür schon am Bahnhof ob im nächsten Dorf eine Schlafmöglichkeit besteht und finde diese auch bei Nacht und Nebel. Anna sieht das anders, schließlich entdeckt man vieles erst wenn man sich verlaufen hat.
Wir beide werden also noch das ursprüngliche Interrailflair erleben mit dem freiheitsliebende Westeuropäer seit 1972, besonders in den späten 80ern unterwegs waren. Naja, oder doch eher das, der kleinen, alternden (Zug dauert länger/ist teurer als Ryanair) Interrail Gemeinde die in den letzten 15 Jahren zwar Internet hatten, aber keine Smartphones.

Jetzt erstmal Brügge sehen - ist eh zu spät um noch groß die Reise planen zu können. Aber zu früh zum Panik machen - und sterben.


Post Scriptum:
Hab wieder nichts mitbekommen. Ron Artest, ehemals Defensiv Player of the Year hat sich umbenannt. Er heißt jetzt Metta World Peace. Seiner Unbeherrschtheit hat das nicht abgetan, der Mann der schon einmal eine Sperre für eine ganze Saison wegen einer Prügelei mit dem Publikum bekommen hatte leistet sich in dem ersten Spiel das ich mir seit langem angesehen habe wieder eine Unsportlichkeit. Anna sagt, er kann nichts dafür, der ist so und muss deswegen vor sich selbst geschützt werden und lebenslanges Spielverbot bekommen.

http://www.youtube.com/watch?v=BhQPPAG75Q0 
(Jonathan)

Dienstag, 1. Mai 2012

1. Mai 2012

Heute ist der 1. Mai, der Frühling drängt mit Macht und da paßt kein Gedicht so schön wie das von Eduard Mörike.


Frühling läßt sein blaues Band 
Wieder flattern durch die Lüfte 
Süße, wohlbekannte Düfte 
Streifen ahnungsvoll das Land 
Veilchen träumen schon, 
Wollen balde kommen 
Horch, von fern ein leiser Harfenton! 
Frühling, ja du bist's! 
Dich hab ich vernommen!



Washington, da ist auch Frühling und da wohnen Verwandte von uns. Hallo Tante, hallo Käfer, Hannelou, Astrid!
 "3.000 Kirschbäume, die der japanische Major Yuko Ozaki aus Tokio der Stadt Washington DC im Jahr 1912 als Zeichen der Freundschaft zwischen Japan und der USA einst schenkte. Das Ereignis wird auch heute noch jedes Jahr im Frühling aufs Neue gefeiert und lässt die Stadt am Potomac River zwei Wochen lang ganz unter dem Motto der Kirschblüte stehen." (http://www.reisenews-online.de)



Nun zu etwas ganz anderem.
Unter der Überschrift "Der aufhaltsame Aufstieg einer Partei" schreibt die Frankfurter Allgemeine Zeitung am 30.4.2012:

"Die Piratenpartei hat den Typus des Nerds aus den Tiefen seines Kellers mitten in die Welt geholt. Anstatt weiterhin bei schummrigem Licht Pizza in sich hineinzustopfen und Computer zu hacken, spielt der Nerd, den wir viel zu lange als einflussreiche Größe übersehen haben, nun im politischen und gesellschaftlichen Diskurs eine wichtige Rolle, und das ist erst einmal wichtig und gut. Er reist also zu Parteitagen, spricht in Kameras und lässt sich dabei filmen, wie er auf den Bildschirm seines Notebooks starrt. Doch mit dem Aufstieg kam auch die Angst - und im Moment drängt sich einem der Eindruck auf, dass die größte Angst des Nerds die ist, dass man ihn zurück in den Keller schickt, dass alles plötzlich wie eine Seifenblase zerplatzt und sich wieder wie früher anfühlt, als im Landschulheim niemand ein Zimmer mit ihm teilen wollte, als er von der Politik nicht als Staatsbürger, sondern als Kind behandelt wurde".

Sehr gut FAZ! Das trifft doch den Sachverhalt deutlich besser als diese devoten Schleimer bei den Grünen, der CDU, der SPD, die jetzt ständig beteuern, dass sie schon lange und schon immer getwittert haben und bei Facebook sind.

Der Aufstieg der Piraten, denen ich durchaus mit Sympathie gegenüber stehe, es hat wirklich etwas erfrischend Respektloses, Unverbrauchtes, Optimistisches an sich, was die Piraten so treiben, ist so nur mit dem Verlust an Glaubwürdigkeit und Vertrauen in die anderen Parteien zu erklären: Die Banken werden gerettet, da spielen die Milliarden auf einmal keine Rolle, die Schlecker-Frauen aber überläßt man zur "Anschlußverwendung" dem Arbeitsamt. Die Gehälter und Boni der Spitzenmanager steigen wie nie, die Löhne und Gehälter sind real auf dem gleichen Stand wie vor 10 Jahren. Trotz sprudelnder Steuereinnahmen und ständiger Spar-Appelle der Regierung geht die Verschuldung des Bundes und der Länder ständig weiter. Und jeder weiß, wer die Zeche einmal zahlen muß: Otto Normalverbraucher, der kleine Mann von der Straße, Du und ich, aber nicht die wirklich Reichen. 

Das ist der Grund, dass viele Menschen von den "etablierten" Parteien die Schnauze voll haben und nach Alternativen suchen. Ob diese nun komisch aussehen mit Piratentuch auf dem Kopf und Schoßrechner unterm Arm oder wie in Frankreich nationalistische Parolen vertreten (Le Pen) oder wie in Österreich das "Wiener Blut" entdecken, das vor fremdländischer Bedrohung geschützt werden muß (übrigens mit starken Zuspruch gerade unter Jugendlichen mit ursprünglich ausländischen Wurzeln, den Serben z.B.), es ist die Enttäuschung über die regierenden Parteien und Politiker. Man glaubt ihnen nicht, sie sagen nicht die Wahrheit über die Probleme des Landes, sondern nur immer das, was ihnen wahltaktisch nützt. 

Das ist der Grund für den Aufstieg der Piraten, der allerdings nur solange anhalten wird, bis diese Chaos-Truppe selber Verantwortung übernehmen muß. Dann wird sich schnell zeigen, dass man die vielen kleinen und großen Probleme und Aufgaben, die die Politik zu managen hat, nicht mit ständigen Online-Konferenzen und Abstimmungen bewältigen kann. Kein Mensch hat dafür dauernd Zeit und Nerven, die Probleme müssen trotzdem und oft schnell gelöst werden. Deshalb stimmt die Überschrift: der Aufstieg ist nicht unaufhaltsam, die Piraten werden ihn selber aufhalten.

(Stefan)