Sonntag, 3. Juni 2012

Elefanten machen in Spanien Tröröö (Teil 1)

Nach Aufenthalten in Valencia, Malaga, Lissabon, Porto, Florenz sind wir jetzt seit 2 Tagen in Porec. Hier gibts wunderbar türkisblaues Meer, langersehnte Pizza, andauernd Bier und die NBA Playoffs im Free TV.

Nicht unerwähnt sollten aber auch unsere Tagesausflüge nach Sintra und Guimaraes bleiben. 
Ein Besuch in Sintra wurde uns bereits vor unserer Abfahr in Deutschland von Bekannten und wieder in Lissabon bei unseren CS Hosts wärmstens Empfohlen. Die kleine Stadt, 40 Min per Bahn von Lissabon entfernt, ist wegen ihrer historischen Sehenswürdigkeiten bekannt. Die Mauren haben hier im 9. Jh. auf einem Berg eine Burg errichtet, von der aus die Küstenebene, sowie das Landesinnere überwacht werden konnte. Aufgrund dieser strategeischen Position und der damit verbundenen, prächtigen Aussicht, ließen sich nach ihnen auch andere Landesherren und die High Society
des Mittelalters und der FNZ hier nieder, oder hatten hier zumindest einen Ferienpalast (http://www.discoverthetrip.com/city/sintra.html).
Uns hat die Stadt sofort gefallen. Glanzvolle Bauten, idyllisch gelegen. Allein: wir hatten kaum Zeit um uns die vielen Dinge anzuschauen.

Guimaraes, 50 Min per Bahn von Porto, ist dieses Jahr Kulturhauptstadt Europas. Der "Geburtsort Portugals" beherbergt eine Altstadt mit distinguiertem Charme und ein paar eindrucksvollen Burgen, die gut erhalten sind. 
Irgendwann hatten wir einfach keine Lust mehr. Portugal hat mich komplett überrumpelt. Ich hatte ja keine Ahnung. An jeder Ecke, fast schon jeder Baum und jedes Haus ist ein Denkmal. Und das so oft zu Recht! Wir waren beide geplättet von so viel Ehrwürdigkeit und flohen am Mittag dieses Tagesausfluges in die Downtown von Guimareas, um unser Supermarkt-Mittagessen gepflegt zwischen einem Plattenbau-Einkaufzentrum und einer Hauptverkehrsstraße inkl. Kreisel einzunehmen. Barbarossaplatz, wir vermissen dich.
Danach ging es wieder etwas besser.

Gut erhaltene Burg in Guimaraes



tapfere Burgjunfer gibt sich volle Kulturdröhnung

Nochmal Guimaraes






Ein Kreuzweg in einer weiteren Burg in Guimaraes

Ein mal kurz Luftgeholt und weiter gehts mit Porto. 
Von Vorurteilen und wie sie sich unbewusst Entwickeln: Dass diese Stadt nicht durch staubige Industrie beherrscht wird, dessen musste ich mich bereits in Lissabon von Eduardo (CS Host) und Anna belehren lassen. Ich hab das geglaubt, weil bei ProEvolutionSoccer die Stadiongeräuche des FC Porto immer so verdammt nervig waren. Vuvuzelas und so, und das gibts in dem (Spielkonsolen-) Spiel sonst in keinem anderen Stadion.
In Porto gibt es auch wieder Burgen und alte Straßen und eine alte Straßenbahn usw.. Nein, also wirklich, alles herrlich und erstklassig, aber das sind wir hier ja inzwischen gewöhnt. Besonders ist hier das Uferleben, das wir in Lissabon nicht erlebt haben. Und auch in den romantischen Städtchen Sintra und Guimaraes haben wir den Trubel, den die ganzen kleinen Fischerdörfer im Fernsehen und in Südfrankreich von Natur aus haben vermisst. Hier spüren wir jetzt zwar auch mal den Tourismus, aber wir genießen die Marktstände, die vielen Cafes, die Straßenkünstler. Und weil dieser Bereich trotzdem von Einheimischen Bewohnt wird, hängen Wäscheleinen vor den bunten Häusern, die oft durch 1 bis 2 Meter breite, mit Torbögen gesäumte Gassen getrennt sind.


Romatik und historische Sehenswürdikeiten sind nicht genug (aufs Partynachtleben komme ich später zu sprechen - Bairro Alto, anm.d.red.)? Hier gibts auch das komplette Kulturprogramm.
Als wir am im Zentrum liegendem Bahnhof Campanha eintreffen spielt eine Gruppe Volksmusik. Die Menge bleibt stehen, erkennt die Melodie aus Kindertagen und die Luft der Bahnhofshalle füllt sich mit Summen und Gesängen der reisenden Portugiesen. Beim Refrain schallt es dann immer wieder wie in einem Chor.
Später erfahren wir, dass die Gruppe Teilnehmer eines Festival ist. In der ganzen Stadt finden an den 3 Tagen, an denen wir hier sind verschiedene,kostenlose! Veranstaltungen statt. Wir entscheiden uns für Jazz und Theater.

Das Jazz-Konzert: Das Gebäude ist, ja was wohl, bildschön und glanzvoll. die Musiker sind jung und gehören zum Carl-Orff-Projekt, denke mal das kann was. Diese hier konnten auf jeden Fall was. Der Raum war winzig und Anna und ich waren zu Beginn die einzigen Zuschauer, nimmt man mal den Reporter der städtischen Zeitung raus. Weil es aber an einem Wochentag um 23 Uhr Abends in der Innenstadt bei offenen Fenstern nicht unbemerkt bleibt wenn jemand völlig abgefahrene Musik bei Wacken Lautstärke spielt, kamen dann doch noch ein paar andere Zuschauer. Auf grund der Lautstärke öffneten die Veranstalter im Verlauf die Türen des Kreissaales, so musste nicht jeder die volle Dröhnung abbekommen, sondern konnte sich das ganze von außen anschauen. Anna und ich blieben letztenendes doch eine der wenigen im Raum. Völlig gestört waren die Musiker. Am Bass, wie immer, der Introvertierte, Langhaarige. Die Seiten der E-Guitarre wurde mit Klammern, wie sie sonst denke ich, nur Elektriker benutzen bearbeitet. Das Quartett wurde von einem Mitte 50 Jährigem Tenorsaxophonisten geleitet. Er trug Anzug, die beiden vorher Skarterklamotten. Er stampfte während seiner Soli unaufhörlich wie ein Elefant auf den Boden und drückte, genauso kontinuierlich, auch die Klappen seines Instrumentes auf und zu, wenn er nicht spielte. Am aufregensten war der Schlagzeuger. Er war wie ein Amish People gekleidet: Schwarze Hose, weißes Baumfällerhemnd, Hosenträger, Hut und Bart. Während seiner Soli sprang er wie ein Wicht auf und ab (Video kommt noch in Teil 2).


Jazzkonzert in Porto
Im Veranstaltungsgebäude des Jazzkonzerts

National Theater
Das Theaterstück: Das Gebäude ist ausnahmsweise mal ein National Theater. Die Vorstellung ist diesmal um 3 Uhr Mittags und komplett voll. Alle schick angezogen, ich in FlipFlops und kurzer Hose. Die vorstellung beginnt. Ich versteh immer nur Meisch. Meisch Meisch Meisch. Meisch Meisch. Meisch. Anna erklärt mir, es handelt von einem Vater der den geliebten seiner Tochter nicht ganz so Klasse findet und erstmal gegen die Heirat ist. Nach einer halben Meisch verlassen wir die Meischstellung vorzeitig.
 
Ich hatte das vorher auch irgendwo mal gelesen. Die sagen echt dauernd Meisch. Wir fragen. Es bedeutet unter anderem: "Plus" und "mehr". In Verbindung mit anderen Wörtern auch: bis bald, zu dem, hin zu, höher, länger, stärker, es reicht, es meischt uvm.. Viele Verwendungszwecke also.
Und dann überall dieses SCH. GuimaraeiSCH, MeiSCH.

Nachtleben: In Lissabon führte uns Eduardo zusammen mir seinem Mitbewohner Oscar an einem Denkwürdigem Abend nach Bairro Alto, das Kneipenviertel von Lisboa.
Hier reihen sich in einigen, langen Passagen Bars und Clubs aneinander. Beispiellos. Da ist das Nachtleben zu Hause. Hier war richtig was los und das einfach mal Montags. Ganz, ganz viele Bars, sehr viele Menschen (viel Erasmus), auf einm Gelände, so groß wie eine eigene Stadt, so kam es uns vor. Wir flanierten durch die Gassen, später mussten wir durch die Menge rudern. Wir tranken hier etwas und spielten dort Tischfussball, machten Fotos mit den Hostessen der Bars und Eduardo erzählte uns von seiner Idee der Vereinigten Staaten von Europa und, dass er mit Coachsurfen mithelfen will sie zu erschaffen. Er meint es ernst und das hat auf uns abgefärbt.

Fortsetzung folgt...

1 Kommentar:

  1. Hallo Urlauber,
    eure Fotos sind klasse. Sie strahlen Entdeckerlust und Lebensfreude aus. Nachvollziehen kann ich auch, dass so viel Altes und Ehrwürdiges Sehnsucht nach vertrauter Betonarchitektur erweckt.
    Viele Grüße,
    vera

    AntwortenLöschen